„Geben macht reicher als nehmen…“

…auf dieses Motto berufen sich viele, die sie sich ehrenamtlich engagieren. Es wird wiederholt wissenschaftlich erwiesen, dass ehrenamtliches Engagement positive Auswirkungen auf die Psyche hat[i] [ii] .

Integrationsangebote basieren oft auf dem Ansatz, dass sie sich nur an die richten, die sich integrieren sollen. Die Gesellschaft, IN die sie sich integrieren sollen, kommt in der Regel nur als die „(abstrakte) Welt da draußen“ vor, meist vertreten von engagierten Menschen, denen das Thema am Herzen liegt. Am Ende sind die Geflüchteten gemeinsam in den Sprach- und Integrationskursen, gemeinsam bei Freizeitaktivitäten und wohnen zumindest zu Beginn gemeinsam, wenngleich nicht freiwillig, in Gemeinschaftsunterkünften.

Trotz allen Integrationsbemühungen, die Berührungspunkte zwischen Geflüchteten und Einheimischen sind nach wie vor oftmals rar. Es ist meist eher ein nebeneinanderleben, als ein miteinanderleben. Wer berufstätig ist, hat die besten Chancen sozialen Anschluss zu finden. Aber sonst begegnet man sich eigentlich nur räumlich, im Supermarkt oder im Zug, aber nicht menschlich.

Die Rollen umkehren

Einzig die Helferkreise die vielerorts existieren bringen die einheimische Gesellschaft und die Geflüchteten einander etwas näher. Die wahren Helden des „Wir schaffen das“ findet man dort. Aber im Grunde wäre es sinnvoll sie nicht nur als Vereine FÜR Geflüchtete aufzufassen, sondern auch als Vereine FÜR UND MIT Geflüchteten.

Was spricht dagegen, dass sich Geflüchtete im Rahmen der Helferkreise für mehr Integration einbringen? Kochkurse anbieten? Viele Deutsche gehen gern in Kochkurse für Tapas oder Sushi. Was spricht gegen einen Kochkurs für Kibbeh?

Musikunterricht.

Malkurse.

Tanzgruppen.

Unter den Geflüchteten sind viele mit großem Talent für all diese Dinge. Natürlich, grundlegende Deutschkenntnisse müssen vorhanden sein und nicht jeder verfügt über ein Talent oder das nötige didaktische Geschick um Kenntnisse zu vermitteln. Aber wäre das nicht ein geeigneter Begegnungsort für Geflüchtete und Einheimische? Wo die Geflüchteten sich ehrenamtlich in die Gesellschaft einbringen können, und die Einheimischen endlich die Möglichkeit haben sie besser kennenzulernen?

Manche könne bereits von Erfahrungen mit solchen Projekten erzählen:

 „Als wir trotzdem anfingen mit der ‚Börse Nachbarschaftshilfe‘, waren sechs Flüchtlinge dabei, jetzt sind es um die 20. Ohne Bezahlung helfen sie im Haus und im Garten, machen Brennholz, putzen die Wohnung, mähen Wiesen, schleifen das Garagentor. Es ist teilweise entstanden, was wir uns wünschen: längerfristige Beziehungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. Dabei verbessern sie ihre Sprachkenntnisse, und sei es, dass sie Pfälzisch lernen.“

Es wäre mit Sicherheit ein guter Ausgangspunkt, um die Geflüchteten nicht nur in ihrer Rolle als Geflüchtete zu sehen, sondern anzufangen sie als Menschen mit eigenem Charakter, eigener Weltsicht, eigener Geschichte, eigenem Geschmack kennenzulernen. Kurzum: sie als individuelle Menschen kennenzulernen. Wie du und ich.

 

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[i] http://www.spektrum.de/magazin/ehrenamt-warum-freiwillige-arbeit-gluecklich-macht/1281570

[ii] http://www.ardmediathek.de/radio/Fit-und-Gesund/Freiwillige-Arbeit-f%C3%BCr-andere-St%C3%A4rkung/hr-iNFO/Audio-Podcast?bcastId=1068&documentId=48261552

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